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Richtig lüften: Feuchteschäden vermeiden statt später sanieren
Das Umweltbundesamt empfiehlt, die relative Luftfeuchte in der Raumluft zwischen 40 und 60 Prozent zu halten, weil unterhalb dieses Bereichs die Schleimhäute leiden und oberhalb das Risiko für Feuchteschäden steigt.
Welche Luftfeuchte ist im Wohnraum unbedenklich?
Der Wert ist keine Zielgröße für ein Messgerät, sondern eine Entscheidungshilfe. Steigt die Anzeige dauerhaft über 60 Prozent, wird die Lüftung erhöht und nicht die Heizung reduziert.
Ein einfaches Hygrometer je Raum reicht dafür aus. Interessant ist weniger der Momentanwert als der Verlauf über den Tag, denn Kochen, Duschen und Wäschetrocknen erzeugen Spitzen.
Entscheidend ist die kälteste Fläche im Raum. Feuchte schlägt sich dort nieder, wo die Oberflächentemperatur am niedrigsten ist, also in Fensterlaibungen, hinter Möbeln und in Raumecken an der Außenwand.
Wie oft und wie lange muss gelüftet werden?
In der kalten Jahreszeit genügt nach Empfehlung des Umweltbundesamtes 2- bis 3-mal täglich eine Stoßlüftung von etwa 5 Minuten je Raum bei weit geöffnetem Fenster, in der warmen Jahreszeit sind 10 bis 20 Minuten je Lüftungsvorgang angesetzt.
Für das Schlafzimmer nennt das Umweltbundesamt am Morgen 5 bis 10 Minuten bei weit offenem Fenster. Küche und Bad werden während und nach dem Kochen oder Duschen ebenfalls 5 bis 10 Minuten gelüftet.
Am wirksamsten ist die Querlüftung mit gegenüberliegenden Fenstern. Der vollständige Luftwechsel gelingt dabei in einem Bruchteil der Zeit, die ein einzelnes Fenster braucht.
| Situation | Empfohlene Lüftungsdauer | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Wohnräume, kalte Jahreszeit | etwa 5 Minuten je Raum | 2- bis 3-mal täglich |
| Wohnräume, warme Jahreszeit | 10 bis 20 Minuten | je Lüftungsvorgang |
| Schlafzimmer am Morgen | 5 bis 10 Minuten | nach dem Aufstehen |
| Küche beim und nach dem Kochen | 5 bis 10 Minuten | nach jedem Kochvorgang |
| Bad nach dem Duschen | 5 bis 10 Minuten | nach jedem Duschen |
Warum ist das dauerhaft gekippte Fenster die schlechteste Lösung?
Das dauerhaft gekippte Fenster kühlt die Wandflächen rund um die Öffnung stark aus, wodurch nach Darstellung des Umweltbundesamtes genau dort Kondensat entsteht und Schimmel wächst, während der Energieverbrauch drastisch steigt.
Der Luftwechsel ist beim gekippten Fenster gering, der Wärmeverlust dagegen dauerhaft. Es wird also viel geheizt und wenig gelüftet — die ungünstigste Kombination.
Beim Stoßlüften bleibt die Wärme in Wänden und Möbeln gespeichert, während die feuchte Luft in wenigen Minuten ausgetauscht wird. Anschließend erwärmt sich die trockene Außenluft schnell wieder.
- Fenster dauerhaft in Kippstellung statt kurz weit geöffnet
- Heizkörper während der Stoßlüftung nicht heruntergedreht
- Innentüren zwischen unterschiedlich beheizten Räumen offen gelassen
- Möbel und Vorhänge direkt an die kalte Außenwand gestellt
- Wäsche in unbelüfteten Innenräumen getrocknet
- Nach dem Duschen erst mit Verzögerung gelüftet
Warum reicht Lüften in schlecht gedämmten Wohnungen oft nicht?
In schlecht gedämmten Gebäuden liegt die Oberflächentemperatur an Wärmebrücken so niedrig, dass sich dort auch bei korrekt eingehaltener Raumluftfeuchte Kondensat bildet — die Ursache ist dann baulich und nicht durch Verhalten allein zu lösen.
Praktisch bedeutet das: Der Luftwechsel muss in solchen Wohnungen häufiger stattfinden, und die Raumtemperatur darf nicht zu weit abgesenkt werden. Kalte Räume nehmen weniger Feuchte auf und geben sie an die Wand ab.
Ebenso hilft ein Abstand von mehreren Zentimetern zwischen Möbeln und Außenwand. Die Luft muss die kalte Fläche erreichen können, sonst entsteht hinter dem Schrank ein Klima, das im Rest des Raums nicht messbar ist.
Woran erkennen Sie, dass Feuchte kein Lüftungsproblem mehr ist?
Bleibt eine Fläche feucht, obwohl Lüftungsrhythmus und Raumluftfeuchte stimmen, liegt die Ursache nicht im Nutzerverhalten, sondern in einer Leckage, in aufsteigender Feuchte oder in einem Bauteilschaden.
Ein Hinweis darauf ist die Verteilung. Kondensatschäden folgen der kältesten Fläche und treten oben in Raumecken sowie an Fensterlaibungen auf, während Leckagen einer Leitung folgen und häufig unten beginnen.
Ein zweiter Hinweis ist die Jahreszeit. Feuchte, die im Sommer bei geöffneten Fenstern nicht verschwindet, hat mit Lüftung wenig zu tun.
Ab diesem Punkt hilft Messtechnik statt Verhaltensänderung. Feuchtekartierung, Zählerprobe und die Prüfung des Leitungsverlaufs trennen Kondensat von Leckage.
Häufige Fragen
- Wie viel Prozent Luftfeuchtigkeit sind in der Wohnung normal?
- Das Umweltbundesamt nennt 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte als anzustrebenden Bereich. Über 60 Prozent sollte die Lüftung verstärkt werden.
- Soll ich beim Lüften die Heizung abdrehen?
- Für die wenigen Minuten der Stoßlüftung ist das sinnvoll, damit das Thermostatventil nicht gegen die einströmende Kaltluft anheizt. Danach wird die Heizung wieder auf den vorherigen Wert gestellt.
- Hilft ein Luftentfeuchter gegen feuchte Wände?
- Gegen Kondensat aus zu hoher Raumluftfeuchte hilft er, gegen Feuchte aus einer Leckage oder aus dem Erdreich nicht. Er entzieht der Luft Wasser, nicht dem Bauteil seine Ursache.
- Muss ich in einem Neubau anders lüften?
- Ja, häufiger. Die Baufeuchte aus Estrich, Putz und Mauerwerk trocknet laut Umweltbundesamt erst über 1 bis 2 Jahre ab und muss zusätzlich zur Wohnfeuchte abgeführt werden.
Quellen
- [1]Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur SchimmelvermeidungUmweltbundesamt (UBA)
- [2]Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in GebäudenUmweltbundesamt (UBA)