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Feuchtemessung in Bauteilen: Verfahren, Grenzwerte und was die Zahlen bedeuten
Für Feuchtigkeit in Bauteilen werden dielektrische, elektrische Widerstands-, hygrometrische und chemische Verfahren eingesetzt, von denen nur die chemische CM-Messung und die Darrmethode einen quantitativen Feuchtegehalt liefern.
Welche Messverfahren gibt es für Feuchtigkeit in Bauteilen?
Die Verfahren unterscheiden sich nicht nur in der Genauigkeit, sondern in dem, was sie überhaupt messen. Manche erfassen eine elektrische Eigenschaft, aus der auf Feuchte geschlossen wird; andere bestimmen die Wassermenge direkt.
Für die Praxis ergibt sich daraus eine klare Arbeitsteilung: schnelle Verfahren zur Suche, quantitative Verfahren zur Entscheidung.
| Verfahren | Was gemessen wird | Aussagekraft und Grenzen |
|---|---|---|
| Dielektrische, kapazitive Messung | Änderung des elektrischen Feldes im oberflächennahen Bauteilbereich | Zerstörungsfrei und schnell, liefert nur relative Vergleichswerte in Skalenteilen; Metall, Bewehrung und Salze verfälschen |
| Elektrische Widerstandsmessung | Leitfähigkeit zwischen zwei eingebrachten Elektroden | Ortsgenau in der Tiefe der Elektroden, stark salz- und materialabhängig; für Holz mit Kennlinie gut brauchbar |
| Hygrometrische Messung der korrespondierenden Luftfeuchte | Relative Luftfeuchte in Bohrloch oder Hohlraum im Gleichgewicht mit dem Baustoff | Zerstörungsarm, ideal für die Verlaufskontrolle; Grenzwerte 80 Prozent unbeheizt und 75 Prozent beheizt |
| CM-Messung, Calciumcarbid-Methode | Chemisch freies Wasser in einer Materialprobe, Angabe in CM-Prozent | Baustellengerechtes Referenzverfahren für die Belegreife; zerstörend, da eine Probe entnommen werden muss |
| Darrmethode | Massenverlust der Probe durch Trocknung im Ofen | Höchste Genauigkeit, aber Laborverfahren mit langer Wartezeit; auf der Baustelle unpraktikabel |
| Mikrowellenmessung | Feuchte in größerer Bauteiltiefe | Erreicht tiefere Schichten als kapazitive Geräte, erfordert eine materialbezogene Kalibrierung |
Was misst ein dielektrisches Messgerät wirklich?
Ein dielektrisches Messgerät misst keine Feuchte, sondern die Veränderung eines hochfrequenten elektrischen Feldes im oberflächennahen Bereich des Bauteils, aus der nur ein relativer Vergleichswert abgeleitet wird.
Die Anzeige erfolgt in Skalenteilen, oft Digits genannt. Ein Wert von 90 an einer Stelle und 30 an einer anderen bedeutet: hier ist es deutlich feuchter als dort. Er bedeutet nicht, dass ein bestimmter Wassergehalt in Masse-Prozent vorliegt.
Die Störeinflüsse sind erheblich. Metallische Einbauten, Bewehrung, Leitungen, salzhaltige Untergründe und wechselnde Rohdichten verändern die Anzeige unabhängig von der tatsächlichen Feuchte.
Genau deshalb ist das Verfahren für die Kartierung ideal und für die Freigabeentscheidung ungeeignet. Es sagt, wo gemessen werden muss, nicht ob trocken ist.
Wie funktioniert die CM-Messung und warum gilt sie als Referenz?
Bei der CM-Messung wird eine Materialprobe zerkleinert, in einem Druckbehälter mit Calciumcarbid zur Reaktion gebracht und aus dem entstehenden Gasdruck der Wassergehalt in CM-Prozent bestimmt — in Deutschland ist sie das anerkannte baustellengerechte Verfahren zur Feststellung der Belegreife.
Nach TKB-Merkblatt 16 wird das Prüfgut gleichmäßig über die untere Hälfte der Estrichdicke entnommen und sofort in einen Beutel gefüllt, damit keine Feuchte verloren geht. Die Probe wird so weit zerkleinert, dass keine Bruchstücke größer als 10 mm verbleiben.
Die Einwaage beträgt 100 g bei Calciumsulfatestrich und 50 g bei Zementestrich. Nach dem Verschließen wird 2 Minuten kräftig geschüttelt, nach 5 Minuten eine weitere Minute, und 10 Minuten nach dem Verschließen wird der Wert am Manometer abgelesen.
Das Gerät muss regelmäßig kalibriert werden; die Abweichung vom Sollwert soll dabei nicht mehr als 25 mbar betragen. Weil das Ergebnis eine Wassermenge und keine abgeleitete Größe ist, dient die CM-Messung als Referenz für alle schnelleren Verfahren.
Welche Grenzwerte gelten für die Belegreife?
Als belegreif gilt ein Estrich, wenn der CM-Wert die für Bindemittelart und Beheizung geltenden Richtwerte unterschreitet — bei Zementestrich 2,0 beziehungsweise 1,8 CM-Prozent, bei Calciumsulfatestrich 0,5 beziehungsweise 0,3 CM-Prozent.
Belegreife ist dabei mehr als Trockenheit. Sie umfasst nach TKB-Merkblatt 16 eine ausreichende Trocknung, eine ausreichende Festigkeit und einen ausreichenden Schwundabbau. Ein trockener, aber noch schwindender Estrich ist nicht belegreif.
Bei beheiztem Calciumsulfat-Fließestrich weichen Norm und Fachverbände voneinander ab: DIN 18560-1 nennt 0,5 CM-Prozent, die Fachverbände halten am Wert von 0,3 CM-Prozent fest. Der maßgebliche Zielwert sollte deshalb vorab schriftlich festgelegt und im Protokoll dokumentiert werden.
| Estrichart | Unbeheizt | Heizestrich |
|---|---|---|
| Zementestrich (CT) | höchstens 2,0 CM-Prozent | höchstens 1,8 CM-Prozent |
| Calciumsulfatestrich und Calciumsulfat-Fließestrich (CA) | höchstens 0,5 CM-Prozent | höchstens 0,3 CM-Prozent nach TKB-Merkblatt 16, 0,5 CM-Prozent nach DIN 18560-1 |
| Hygrometrisch, korrespondierende relative Luftfeuchte | 80 Prozent | 75 Prozent |
Wie viele Messstellen sind nötig?
Die Zahl der Messstellen richtet sich nach Fläche und Konstruktion: Für Flächen bis 100 m² sind ein bis zwei Messungen üblich, bei größeren Flächen etwa eine Messung je 200 m², bei Heizestrichen mindestens zwei ausgewiesene Messstellen je Raum.
Das TKB-Merkblatt 16 fasst diese Werte aus Normenkommentaren und Fachliteratur zusammen. In mehrgeschossigen Gebäuden wird mindestens eine Messung je Etage angesetzt.
Bei Heizestrichen gilt zusätzlich: Räume über 50 m² erhalten mindestens drei ausgewiesene Messstellen, und je 200 m² Fläche werden drei Messstellen ausgewiesen. Die Messstellen müssen bauseits gekennzeichnet sein, damit keine Heizleitung getroffen wird.
Nach einem Wasserschaden reichen diese Mindestzahlen häufig nicht aus. Gemessen wird dann zusätzlich dort, wo die Kartierung die höchsten Werte gezeigt hat.
Was sagt die hygrometrische Messung aus?
Die hygrometrische Messung bestimmt die relative Luftfeuchte in einem Bohrloch oder Hohlraum, die sich mit dem umgebenden Baustoff im Gleichgewicht befindet, und eignet sich damit besonders für die Verlaufskontrolle während einer Trocknung.
Der Vorteil liegt im geringen Eingriff. Ein Bohrloch mit Messhülse kann über Wochen an derselben Stelle bleiben und immer wieder abgelesen werden, sodass eine Trocknungskurve statt einer Momentaufnahme entsteht.
Als Grenzwerte für die Belegreife werden 80 Prozent relative Feuchte bei unbeheizten und 75 Prozent bei beheizten Estrichen genannt. Wichtig ist die Temperaturangleichung: Sensor und Bauteil müssen dieselbe Temperatur haben, sonst ist der Messwert wertlos.
- Kartieren mit dem dielektrischen Gerät, Referenzstelle festlegen
- Verlauf über Wochen hygrometrisch im Bohrloch verfolgen
- Freigabe erst nach CM-Messung an ausgewiesenen Messstellen
- Messwerte, Datum, Raumtemperatur und Luftfeuchte protokollieren
- Zielwert für die Belegreife vorab schriftlich vereinbaren
Häufige Fragen
- Warum zeigt mein Baumarktgerät hohe Werte, obwohl der Estrich trocken ist?
- Weil dielektrische Geräte kein Wasser messen, sondern ein elektrisches Feld auswerten. Metall, Bewehrung, Salze und wechselnde Materialdichten treiben die Anzeige nach oben, ohne dass Feuchte vorliegt.
- Ist die CM-Messung zerstörend?
- Ja, es muss eine Materialprobe aus dem Estrich entnommen werden. Die Entnahmestelle ist klein und wird anschließend verschlossen; ohne Probe gibt es aber keinen quantitativen Wert.
- Was bedeutet CM-Prozent genau?
- CM-Prozent ist der mit der Calciumcarbid-Methode bestimmte Anteil chemisch freien Wassers an der Probenmasse. Er ist nicht identisch mit dem im Ofen ermittelten Darr-Wert, weil chemisch gebundenes Wasser nicht erfasst wird.
- Kann ich die Belegreife selbst feststellen?
- Die Messung selbst ist Aufgabe des Verlegers oder eines Sachverständigen, weil sie Gerät, Kalibrierung und Protokoll voraussetzt. Als Eigentümer sollten Sie darauf bestehen, dass das Protokoll zur Estrichfeuchtemessung ausgefüllt übergeben wird.
Quellen
- [1]TKB-Merkblatt 16: Anerkannte Regeln der Technik bei der CM-MessungTechnische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e. V.
- [2]Auf dem Weg zur Belegreife: Bestimmung der Restfeuchte in EstrichenBauportal der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)
- [3]DIN 18560-1: Estriche im Bauwesen — Allgemeine Anforderungen, Prüfung und AusführungDIN Media, Deutsches Institut für Normung
- [4]WTA-Merkblatt 6-16: Technische Trocknung durchfeuchteter Bauteile — Planung, Ausführung und KontrolleWissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA)